Wenn Schule den Kirchenraum betritt, verschieben sich die Koordinaten des Gewohnten. Am Donnerstagabend vor den Weihnachtsferien wurde die Bartholomäuskirche in Rödinghausen zum Aufführungsort von „Lichtmomente“, einer vorweihnachtlichen Veranstaltung unserer Gesamtschule, die musikalische, szenische und literarische Beiträge miteinander verband. Die Kirche war gut besucht; das Publikum setzte sich aus Schülerinnen und Schülern, Familien, Lehrkräften und Gemeindemitgliedern zusammen. Der Abend verstand sich weniger als klassisches Konzert denn als bewusst komponierte Einstimmung auf Weihnachten – als ein Wechselspiel aus Klang, Wort und stilvollen Übergängen.



Die Gesamtleitung lag bei den Lehrerinnen Ute Kahler-Brandhorst und Magdalena Fuchs, die den Abend nicht nur organisatorisch bündelten, sondern ihm eine klare dramaturgische Linie gaben. Unterschiedliche Jahrgänge, Kurse und Ensembles wurden so zusammengeführt, dass ein durchgängiger Spannungsbogen entstand. Das Programm setzte dabei auf Kontraste: Chorisches neben Solistischem, Pop neben Tradition, Szene neben Gebet. Gekonnt, wortgewandt und stilvoll durch das Programm führten die Schülerinnen Luisa Kienker und Leonie Fiebig aus der 10 a.



Eröffnet wurde der Abend mit bekannten adventlichen und weihnachtlichen Liedern wie „Joy to the World / Tochter Zion“ sowie „Advent ist ein Leuchten“, dargeboten von unserem Musiklehrer Hermann Rongen und dem Kleinen Chor, der sich aus Schülerinnen und Schülern der Unterstufe zusammensetzt. Diese frühen Programmpunkte wirkten wie ein ruhiges Ankommen im Raum – Stimmen, die sich bündelten, ohne sich aufzudrängen, und den Ton für den weiteren Verlauf setzten.



Es folgten Beiträge der Schulband der Unterstufe, die mit Stücken wie „Apologize“ und später „Last Christmas“ populärmusikalische Akzente einbrachte. Ergänzt wurden diese durch Auftritte der Oberstufenband, unter anderem mit „When September Ends“ und „In the End“. Die Bandbeiträge bildeten wiederkehrende Fixpunkte im Programm; sie strukturierten den Abend, öffneten ihn zur Gegenwart hin und zeigten, wie selbstverständlich schulische Musikarbeit heute unterschiedliche Stilräume bespielt.



Einen weiteren Schwerpunkt bildeten solistische Darbietungen. Jana Kampen war mit zwei Beiträgen vertreten, darunter „Ballade der Gefühle“ und „Er kam auch für mich“. Auch Amy Brand („Weihnachten ist die schönste Zeit im Jahr“) sowie Lara Doreen Mittelstaedt („Der mich sieht“) gestalteten den Abend mit eigenen Wort- und Gesangsbeiträgen. Diese Auftritte setzten persönliche Akzente – Momente, in denen der große Kirchenraum kurz zum intimen Resonanzkörper wurde.



Theatrale Elemente kamen insbesondere durch den DG-Kurs des 8. Jahrgangs sowie durch die Klasse 6 c zum Tragen. Mit einer „Weihnachtsgeschichte“ und dem Stück „Der letzte Tag vor den Ferien – mit Glitzer, Chaos und Weihnachtszauber“ brachten sie szenische Perspektiven in den Abend ein. Ergänzt wurden diese durch kürzere Texte wie „Die letzten Einkäufe“, ebenfalls vom DG-Kurs 8. Hier traf Alltagsbeobachtung auf leise Ironie, schulische Lebenswelt auf vorweihnachtliche Verdichtung.



Der Projektchor unter der Leitung der Lehrerin Magdalena Fuchs, der sich aus Lehrerinnen und Lehrern der Schule zusammensetzt, trat mehrfach auf, unter anderem mit „Jul, jul, strålende jul!“, „Angels We Have Heard on High“ und „Star of Bethlehem“. Der Kleine Chor der Unterstufe ergänzte das Programm mit weiteren Chorstücken wie „Nachtlied“. Gemeinsam machten diese Beiträge die generationenübergreifende Anlage der Veranstaltung sichtbar: Stimmen verschiedener Altersgruppen, die sich nicht mischten, sondern bewusst nebeneinanderstanden und so den Charakter eines schulischen Gesamtprojekts unterstrichen.



Religiöse Impulse wurden durch Fürbitten der Klasse 10 a sowie einen gesprochenen Impuls vom Jugendreferenten der Kirchengemeinden in Rödinghausen Peter Bulthaup gesetzt. Sie gaben dem Abend inhaltliche Haltepunkte und führten ihn immer wieder zurück zu seinem Kern: zur Frage nach Licht, Hoffnung und Orientierung in einer dunklen Jahreszeit. Gegen Ende kamen alle Mitwirkenden im gemeinsamen Kanon „Come and Blow“ zusammen, bevor Hermann Rongen an der Orgel mit „O du fröhliche“ den musikalischen Schlusspunkt als auch mit dem Auditorium gemeinsam gesungenes Lied setzte.



„Lichtmomente“ zeigte sich so als sorgfältig gestalteter Abend, der nicht auf Effekt, sondern auf Wirkung setzte. Die Bartholomäuskirche wurde dabei zum stillen Mitspieler: ein Raum, der Klänge trug, Worte sammelte und Gewohntes und Ungewohntes zuließ. Was blieb, war weniger der Eindruck einer einzelnen Darbietung als das Bild eines gemeinsamen Atems – einer Schule, die sich für einen Abend als kulturelle Gemeinschaft verstand.

















