Sommerferienbrief
Liebe Eltern, liebe Schülerinnen und Schüler,

heute endete ein äußerst denkwürdiges Schuljahr, ein Schuljahr, wie wir noch keines erlebt haben.

Es hat allen von uns viel abverlangt, rutschten wir doch im März in eine Situation, auf die wir alle nicht vorbereitet waren – Lernen auf Distanz.

Ist dieses gut gelungen? Nun, da kann man nicht mit einem einfachen JA oder NEIN antworten. Es hat uns aber vieles bewusst gemacht.

Fangen wir mit den positiven Aspekten an: Das Lernen auf Distanz hat in vielen Fällen funktioniert. Unsere Lehrkräfte haben mit viel Einsatz und Kreativität Aufgaben zusammengestellt, Material hochgeladen, Fragen beantwortet. Über die Wochen wurde sich auch an Formate gewagt, die vor Corona nicht notwendig waren: Videokonferenzen, virtuelle Klassenräume, Webinare. Man merkte, dass Videokonferenzen mit mehr als 8-10 Schülerinnen und Schülern schwierig bis unmöglich sind, aber manches Technische, das vor Corona unmöglich erschien, klappte nun doch.

Auf der anderen Seite war klar zu verzeichnen, dass im Bereich Digitalisierung noch vieles vor uns liegt. So schickten mir meine 10er-Schüler ihre Hausaufgaben zum einen wohlgesetzt in einem gängigen Dateiformat, andere fotografierten ihre handschriftlichen Aufzeichnungen einfach ab und schickten mir eine Fotodatei, denn „Herr Hillebrand, Sie können sich nicht vorstellen, wie lange es dauert Hausaufgaben auf Englisch auf dem Handy zu tippen!“.

Drei Jahrgänge besaßen zu Beginn der Krise ein iPad – mittlerweile sind es 6 Jahrgänge und nach den Sommerferien hoffentlich alle neun Jahrgänge. Unsere Gemeinde sieht zum Glück eine gleichwertige Ausstattung der Schüler und Schülerinnen als eine ihrer Aufgaben an.

Aber das Technisches ist ja nicht das Hauptthema. Das Pädagogische war und ist die eigentliche Herausforderung. Distanzlernen verlangt den Lernenden viel ab, vor allem Selbstdisziplin, Selbstorganisation und Selbstmotivation. Gibt es im normalen Unterricht viele Möglichkeiten der Kommunikation wie Murmelphasen, Partnerarbeit, Gruppenpuzzle, Rückmeldungen durch die Lehrkräfte, so fehlen diese Möglichkeiten beim Distanzlernen. Auch das Lob, die positive Verstärkung durch die Lehrkräfte kam digital oder auch telefonisch anders herüber als die Zuwendung im Klassenraum.

Die neuerliche Schulöffnung wurde daher auch von fast allen Schülern sehr positiv begrüßt und die Gespräche mit den Lehrkräften und Mitschülern intensiv geführt.

Wie wird es nach den Ferien aussehen? Ich weiß es noch nicht, ich hoffe so normal wie möglich. Es wird Unterricht geben, hoffentlich wie gewohnt; es wird Klassenfahrten geben, nur nicht ins Ausland; es wird Praktika geben, verkürzt; es wird leider keine Projektwoche geben, denn wir werden allem sehr vorsichtig begegnen; und und und …

Unterrichtlich wissen wir, dass manche Wiederholung länger ausfallen wird als in den Vorjahren. Aber wir werden die Schüler weiterhin dort abholen, wo sie schulisch stehen, nicht dort beginnen, wo sie stehen müssten, und sie weiterhin zielorientiert begleiten. Und auf ihre Abschlüsse vorbereiten.

Ja, Schulabschlüsse hatten wir übrigens auch noch! Es gab wieder gute Ergebnisse. Zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler haben die Berechtigung zum Besuch der gymnasialen Oberstufe bekommen. Der nächste Jahrgang 11 wird 65 Schüler haben. Hier wurde von allen Seiten hervorragende Arbeit geleistet.
51 Schülerinnen und Schüler haben die Abiturprüfung bestanden, davon zwölf mit einer EINS vor dem Komma.
Allen Abgängern einen herzlichen Glückwunsch!

Ich wünsche Ihnen und Euch allen erholsame Ferien. Ich werde zum Abschluss nicht sagen:
„Machen Sie sich keine Sorgen“, kann Ihnen aber versichern, dass wir gemeinsam daran arbeiten, dass das neue Schuljahr möglichst sorgenfrei im Regelbetrieb beginnt.

Mit freundlichen Grüßen
Andreas Hillebrand
Schulleiter

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